Italien im Herzen

Buchtipp „Italia! Die Italiener und ihre Leidenschaft für das Essen“

Warum sprechen die Italiener so gerne und leidenschaftlich über das Essen?  In diesem kulinarischen Reiseführer nimmt Elena Kostioukovitch ihre Leser mit auf eine kulturelle Entdeckungstour zu den italienischen Regionen und ihren Spezialitäten, von den Alpen bis Sizilien.

Kein geringerer als der erst kürzlich verstorbene Schriftsteller Umberto Eco hat das Vorwort für die kenntnisreiche Enzyklopädie über italienische Kochkultur verfasst. “ Ein Buch über die Küche Italiens, aber darüber hinaus auch über das Land und seine Kultur, eigentlich seine Kulturen“ fasst Umberto Eco zusammen. Denn nach dem ersten Kapitel wird schnell klar, dass es „die“ italienische Küche nicht gibt. Groß sind die historischen und kulturellen Unterschiede der Regionen dieses Landes, dass sich von den schneebedeckten Alpen bis zu den Zitronenhainen Siziliens über Sardinien erstreckt – und das zeigt sich besonders deutlich in den unterschiedlichen regionalen Spezialitäten. (*Cover: Affiliate-Link Amazon)

Die Autorin beschreibt die „essbaren Wappen“ jeder Stadt, etwa Insalata caprese, Risotto milanese oder Bistecca alla fiorentina. Und sie erzählt, was die Italiener eigentlich sagen wollen, wenn sie stolz von den Speisen ihrer Region sprechen und was sich in ihrer kollektiven Phantasie damit verbindet. Tatsächlich wird in Italien gerne und viel über das Essen gesprochen. Die leidenschaftliche Beziehung der Italiener zum Essen zeigt sich auch ganz deutlich in der Sprache. Viele Metaphern nehmen Bezug aufs Essen, etwa „buono come il pane“ (gut wie Brot), für wie „gerufen kommen“ oder „mettere troppa carne sul fuoco“ (zu viel Fleisch aufs Feuer stellen) für „zu viel auf einmal unternehmen“.

Gegliedert ist das über 500 Seiten umfassende Buch zuerst einmal nach den italienischen Regionen. Leichtfüßig erzählt die Autorin von den Eigenheiten der jeweiligen Landsleute und führt in die regionale Geschichte ein, bevor sie die typischen Gerichte und Produkte vorstellt. Besonders gut gefallen mir die vielen eingestreuten Themenkapitel, etwa über „Glücksgefühl“, „Eros“ und Demokratie“. Weitere Abschnitte sind „Zubereitungsarten für Fleisch, Fisch, Eier und Gemüse“ und „Nudelsoßen“, wobei abschließend noch erklärt wird, welche Nudelsorten zu welchem Sugo passen – eine Wissenschaft für sich. Eine sehr umfassende Bibliographie (über 20 Seiten) zeigt den enormen Rechercheaufwand und das umfassende Wissen, das in dieses Nachschlagewerk eingeflossen ist.

Die russische Essayistin und Übersetzerin Elena Kostioukovitch wurde 1958 in Kiew geboren und lebt seit 20 Jahren in Mailand, wo Sie eine Literaturagentur leitet. Sie war u.a. die russische Übersetzerin von Umberto Eco. In zehn Sprache  ist „Italia!“ bereits erscheinen, die deutsche Übersetzung des Buches im Oktober 2015  im S. Fischer-Verlag. Die italienische Originalausgabe erschien bereits im Jahr 2006 unter dem meiner Meinung nach treffenderem Titel „Perche agli italiani piace parlare del cibo“ – auf deutsch „Warum die Italiener gerne über das Essen sprechen“. Viele Preise hat es bereits eingeheimst, darunter der „Premio Bancarella della Cucina“ und der „Premio Nazionale Città di Chiavari“.

Für Liebhaber der italienischen Küche, Geschichte und Kultur ist dieser Buchtipp eine echte Bereicherung, denn es vermittelt tiefgründige Hintergrundinformationen. Hinter dem bunten Cover könnte man seichte Unterhaltungsliteratur oder auch ein Kochbuch vermuten. Doch dem ist nicht so: Diese „erstaunliche Enzyklopädie regionaler Spezialitäten“ ist zugleich ein  „Geschichts- und Geschichtenbuch“ (Klappentext), das Unterhaltung auf hohem Niveau verspricht.

Info:
Bei Amazon mit Leseprobe: Italia! Die Italiener und ihre Leidenschaft für das Essen: Eine Reise von den Alpen bis Sizilien und Sardinien Mit einem Vorwort von Umberto Eco * von Elena Kostioukovitch (*Affiliate-Link)
Erschienen im Oktober 2015 im S. Fischer Verlag (1. Auflage)

 

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