Italien im Herzen

Buch: „Italienische Küche, Geschichten und Rezepte“

Hat der Venezianer Marco Polo tatsächlich die Nudeln von China nach Italien gebracht? Warum kam es in Rom 1986 zum Protestspaghettiessen gegen die Eröffnung des zweiten McDonalds in Italien? Dieses Buch lädt zu einem unterhaltsamen Streifzug durch die Kulturgeschichte der italienischen Küche ein.

Die kulinarische Reise beginnt im 4. Jh. v. Chr. in Sizilien, wo die noch heute geltenden Standards der Küche des Mezzogiorno geschaffen wurden: „Kennerschaft und Passion für frischesten Fisch, cucina diretta, die sich an Produkten erfreut und reichlich vegetarische Kost.“ (S.16). Es folgt ein Abstecher in die Küche des antiken Roms, geprägt von dekadenten Orgien und einem Aufeinanderprallen von Rezepten verschiedener Völker des Mittelmeerraums und des vorderen Orients. Nach einem Ausflug in die Geschichte der Pasta und Gewürze geht es zur Papstküche, zur cucina barocca und cucina povera. Auch der gegenwärtigen Slow-Food-Bewegung ist ein Abschnitt gewidmet. Am Ende jedes Kapitels gibt es ein Rezept der entsprechenden Epoche. z.B. eine Oliventapenade aus der Zeit um 200 v. Chr., eine Jasminblütensoße von 1662 oder Tomaten auf neapolitanische Art von 1773.

Das kleinformatige Buch kann aufgrund seines begrenzten Umfangs nicht die Tiefe der italienischen Kulturgeschichte ergründen, sondern ist eine leichte Erzählung, aufgelockert durch viele Bilder und Aphorismen. Die antiken Rezepte sind vor allem unter kulturhistorischen Aspekten interessant und eignen sich, da sie oft ohne Mengenangaben auskommen, eher für geübte Köche. Als kurzweilige Bettlektüre oder als Geschenk ist das Buch mit dem ansprechenden Einband gut geeignet. Wer ausführliche Infos zur Kulturgeschichte der italienischen Küche sucht, sollte allerdings auf ein anderes Werk zurückgreifen (z.B. den Schmöker „Italia! Die Italiener und ihre Leidenschaft für das Essen“ von Elena Kostovioukovich – hier zur Rezension).

Der Autor Peter Peter ist Kulturhistoriker und hat bereits mehrere Bücher über die italienische, sizilianische und deutsche Küche sowie verschiedene Restaurantführer veröffentlicht. Außerdem ist er Dozent für Gastrosophie an den Universitäten Salzburg, Pollenzo und Colorno sowie Restaurantkritiker der FAZ.

Besonders gut gefallen mir die thematisch passenden Zitate, etwa zur Cucina Povera: „Je einfacher das Rezept, des schmackhafter das Resultat“ (Lorenza de Medici), S.77. Auch die Bebilderung mit antiken Zeichnungen finde ich sehr gelungen. Weniger gefallen mir  die letzten 20 Seiten, die als leere „Formularseiten“ der Aufzeichnung von eigenen Lieblingsrezepten dienen. Insgesamt ist das Büchlein sehr interessant und gewährt einen schönen ersten Einblick in die lange Kulturgeschichte der italienischen Küche.

Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (8. März 2012)
ISBN-10: 3406631312
ISBN-13: 978-3406631313
Größe: 11,2 x 1,3 x 17 cm
Bestellbar z.B. bei Amazon (*Affiliate-Link):
Italienische Küche: Geschichten und Rezepte zur Kulturgeschichte der italienischen Küche *

 

 

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