Italien im Herzen

Buchvorstellung: „Der Engelfotograf – Eine Kindheit in Kalabrien“

In dem Roman „Der Engelfotograf“ erzählt Gino Chiellino bildstark von der Befreiung aus kargen Verhältnissen im Kalabrien der 50er-Jahre, traumatischen Erfahrungen und dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben.

Rusco, der junge Protagonist der Erzählung, wächst in den 1950ern in einem armen kalabrischen Bergdorf auf. Als Sohn eines Bauern und einer Weberin verbringt er eine entbehrungsreiche Kindheit, bestimmt von den Eindrücken und Farben des heißen Südens.

Eines Tages im Jahr 1957 treffen die Patres aus dem Norden im Dorf ein, auf der Suche nach begabten Jungen für ihren katholischen Orden. Die Eltern sehen in dem Auftreten der Patres eine Chance auf Bildung für ihre Söhne. Rusco, damals noch ein Kind, gehört zu den vermeintlich „Auserwählten“, die in ein Klosterinternat im Norden aufgenommen werden können. Der Preis dafür ist, dass seine Eltern ihr Sorgerecht vertraglich an die Patres abtreten müssen.

„Im Norden sind Gott die Kinder ausgegangen. Sie gehen lieber in die Fabriken und warten nicht auf Gott, um, reich zu werden. So ist der Gott aus dem Norden zu uns gekommen.“ (S.14)

Rusco wird erklärt, welches Glück seine Auswahl bedeutet und er verlässt sein Heimatdorf. In seiner Einsamkeit setzt er voller Zuversicht auf Gott und träumt davon, Missionar in Afrika zu werden. Doch sein Gottvertrauen schützt ihn nicht vor dem traumatischem Missbrauch durch einen „Seelenvergifter“. Aber der junge Rusco gibt nicht auf und findet seinen Weg in ein selbst bestimmtes Leben jenseits vom Elternhaus und der wortlosen Stille des Klosters.

Der Autor Gino Chiellino ist vor allem bekannt als Lyriker und Literaturwissenschaftler. Er stammt aus Carlopoli in Kalabrien, wo er 1946 geboren wurde. „Der Engelfotograf“ trägt autobiografische Züge: Chiellinos Eltern waren, ebenso wie die des Protagonisten, ein Bauer und eine Weberin. 1970 ist Chiellino nach Deutschland ausgewandert, wo er begann, in deutscher Sprache zu schreiben – damals noch sehr außergewöhnlich. Chiellino ist Mitbegründer der interkulturellen Literatur in deutscher Sprache. 1987 hat er für sein lyrisches Werk den Adelbert-von-Chamisso-Preis erhalten, den Literaturpreis für deutschsprachige Literatur nationaler Minderheiten

„Der Engelfotograf“ ist in einer sehr bildstarken, detaillierten Sprache geschrieben und lässt das Geschehen vor den Augen des Lesers geradezu filmisch ablaufen. Er ist im August 2016 im Folio-Verlag erschienen.

Mehr über den Autor: www.chiellino.eu

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